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Rezensionen
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„Sein ganzer Traum von Männlichkeit“. Cem Yildiz sagt, wo es langgeht (rezensiert von Salih Alexander Wolter)
Cem Yildiz ist in Berlin-Schöneberg zu Hause, wo Trends für den schwulen Mainstream der Bundesrepublik gesetzt werden – nur beruflich war er lange Zeit „vom Outfit her eher Neukölln“ (S. 24). Heute ist er 31 und absolviert eine Ausbildung zum Heilpraktiker. Er bekundet, selbst nie ein Problem damit gehabt zu haben, auch auf Männer zu stehen, und sagt, er raste aus, wenn er mitbekomme, dass „Homos zusammengeschlagen, bedroht und blöd angemacht“ werden (S. 39). Wenn es ungewollt geschieht, wäre hinzuzufügen. Denn mit seinem Bericht Fucking Germany. Das letzte Tabu oder Mein Leben als Escort bietet er eine gänzlich andere als die in den Medien gepflegte Perspektive auf das Thema „Schwule als Opfer“ bzw. „hypermaskuline Jugendliche nichtdeutscher Herkunft“ als Täter. Doch Yildiz kann auf zuverlässiges empirisches Material zurückgreifen: Über ein Jahrzehnt gab er – der „kein Akademikerkind“ ist, aber „auch nicht aus einer Problemfamilie“ stammt (S. 216) – auf Bestellung „den ‚authentischen‘ knallharten Türkenmacker von der Straße“ (S. 13), in Berlin und auf Kurztrips auch andernorts im Land. Bezahlt wurde er dafür vor allem von homosexuellen Männern, und besonders gern buchten die ihn für die „Ghetto-Nummer“ (S. 24) – inszenierte Überfälle mit anschließender brutaler Vergewaltigung. Seine Erfahrung: „Je krasser die Filme und Klischees, die sie im Kopf haben, desto höher die Nachfrage nach dem wilden, gewalttätigen Ali.“ (S. 64) mehr |
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Stefanie Herbst und Juna Brock: "Guilty Pleasure – Heimliches Verlangen": ... „Guilty Pleasure“ – es gibt tatsächlich eine Band mit diesem Namen. Aber das tut weniger etwas zur Sache – vielmehr werden wir entführt in warme, einfühlsame und erotische Gedanken. Es geht um den Frontsänger Dice einer Band „Guilty Pleasure“ und dessen Bodyguard Ceely. In vollen Zügen werden die anreizenden körperlichen Merkmale beider beschrieben. Und aufreizend ist auch dieses Buch – eine wundervolle, anregende und kurzweilige Lektüre, die für einen unbekümmerten und erotischen Abend wie geschaffen ist. mehr |
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AG Queer Studies (Hrsg.): "Verqueerte Verhältnisse" (rezensiert von Salih Alexander Wolter): ...Dem Tunnelblick des heimischen Mainstream setzt der aktuelle Band, acht Jahre nach dem viel beachteten Erstling, Elemente eines pluralen widerständigen Denkens entgegen, das noch da, wo es mir dem hegemonialen Diskurs auf den Leim zu gehen scheint, zumindest wichtige Fragen aufwirft. Der Titel nimmt einerseits Bezug auf die wachsende Komplexität von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, die dringend erfordert, „Sexualität und Geschlecht … in ihrer Verwobenheit mit anderen gesellschaftlichen Normsystemen wie `Rasse´, Ethnizität, Klasse, Behinderung oder Alter und vor dem Hintergrund der derzeitigen kapitalistischen/neoliberalen Vergesellschaftung“ zu analysieren (S. 17). Entsprechend öffnen sich auch hierzulande Wissenschaftler_innen „intersektionalen“ Ansätzen und suchen erfreulicherweise vor allem Anschluss an die im angelsächsischen Raum florierenden Postcolonial Studies... zur Rezension |
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Ohne
Osten kein Westen - Zur Diskussion: drei aktuelle Bücher, drei
Analysen von Wirtschaft und Demokratie
Die Bücher:
Daniela Dahn (2009): "Wehe dem Sieger: Ohne Osten
kein Westen“ / Sahra Wagenknecht (2008): "Wahnsinn mit
Methode: Finanzcrash und Weltwirtschaft" / Katja Kipping (2009):
"Ausverkauf der Politik: Für einen demokratischen Aufbruch"
Ihr Lieben, es wird wirtschaftspolitisch
und politisch. Dennoch: Blättert nicht gleich weiter, es ist
wichtig, es geht um grundlegende wirtschaftliche und demokratische
Fragen in der aktuellen Gesellschaft – und hervorragende,
auch gut lesbare analytische und wegweisende Beiträge zu diesen.
Vorweggenommen sei, dass wir die Autorinnen der drei Bücher
kennen, als prominente Vertreterinnen bzw. Sympathisantinnen der
Partei Die Linke. Allerdings grinsten sie uns nicht von den großen
Stellwänden im Wahlkampf an, wie es Gregor Gysi und Oskar Lafontaine
aller Orten taten. Es war offensichtlich noch nicht an der Zeit
mit ihnen so intensiv zu werben. Bei einem Blick auf sie –
Daniela Dahn, Sahra Wagenknecht, Katja Kipping – als Autorinnen
wäre der Beschluss über ihre Werbewirksamkeit gewiss anders
ausgefallen. zur
Bücherbesprechung
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Ziffer: "Ziffer und die Seinen
": Real oder fiktiv? Diese Frage stellt sich schon unwillkürlich bei Betrachtung von Titel und Autor: „Ziffer und die Seinen“ von Benny Ziffer. Der Autor spielt. Er schreibt keine Autobiographie, vielmehr können sich unter „Ziffer“ des Titels Israelis versammeln, durch selbst Erlebtes, Erlebtes von Familienangehörigen und Erzähltes vom Holocaust geprägt. Versammeln können sich unter diesem „Ziffer“ auch Schwule, aus Israel und Palästina heute. Benny Ziffer, israelischer Schriftsteller und Kolumnist der Zeitschrift Haaretz, bringt in seinem Roman, der im Jahr 1999 auf Hebräisch erschienen ist und der nun in deutsche Sprache übersetzt wurde, profane Alltäglichkeiten, mit konkreten politischen Beschreibungen und historischen Rückblenden zusammen. Im Zentrum stehen Ziffer und Jo – ein schwules Pärchen, das zunächst in Tel Aviv, später in Berlin wohnt. Während Ziffer exzentrischer Autor ist, nimmt Jo die Hausfrauenrolle ein. Nicht selten geraten sie aneinander – Gründe ergeben sich genügend. mehr |


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Hauschild
(Hrsg.): "Fluchtversuche. Das Leben des Miro Sabanovic zwischen
Familienterror, Bahnhof Zoo und Ausländerbehörde":
Ein kleines bisschen Unrecht wird Miro Sabanovic schon wieder getan:
Eine „Frechheit auf zwei Beinen“, wie es im Nachwort
des Herausgebers Hans Peter Hauschild (mittlerweile verstorben)
heißt, ist er gewiss nicht. Dies wird nach der Lektüre
von Miros Tagebuchaufzeichnungen deutlich. Problematisch ist es,
dass im ausführlichen Nachwort Kinderprostitution und die Hierarchie
zwischen Freiern und Kindern bei dieser nicht problematisiert werden...
zur Rezension |
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Klauda: "Die Vertreibung aus dem
Serail. Europa und die Heteronornmalisierung der islamischen Welt"
(rezensiert von Salih Alexander Wolter): Diese Studie will
politisch genommen werden, also doch wohl „persönlich“.
Denn wo selbstbewusste deutsche Lesben und – um die geht es
hier vor allem – Schwule vermeinen, sich mit „dem Islam“
auseinanderzusetzen, stößt Georg Klauda sie auf ihre „Unfähigkeit,
die Heteronormierung der eigenen Gesellschaft überhaupt noch
als solche wahrzunehmen“ (S. 123). Der 1974 geborene Diplom-Soziologe
und Historiker – ehemals Schwulenreferent im AStA der FU Berlin
und an den Anfängen der sexualemanzipatorischen Zeitschrift Gigi
beteiligt – zeigt, dass „die Formierung einer `selbstbewussten´
homosexuellen Identität“ ebendiese Heteronormierung nicht
nur zur Bedingung hat. Sie trägt, begriffen „als Teil eines
von westlicher Seite voranzutreibenden Emanzipationsprozesses“,
sogar noch zu deren Durchsetzung – gegebenenfalls mit militärischem
Zwang – in aller Welt bei, indem sie „einer dubiosen Ethnisierung
der Menschenrechte“ Vorschub leistet – „so als müsste
man sich zu einer bestimmten Minderheit bekennen, um sexuelle Rechte
überhaupt einklagen zu dürfen“ (S. 133). mehr |
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Witkowski: "Lubiewo" (aus
dem Polnischen, in dt. Sprache: 2007): "Also gut, Herr
Journalist, der Park wird Klappe oder Boulevard genannt. Wenn man
dort herumstreunt, dann heißt das Durch-die-Büsche-Ziehen.
Die Klappe dient zur Anmache. Das heißt: zum Aufreißen.
Zwecks Blasen. Das heißt: Lutschen. Diese Parks hat es immer
gegeben, seit ich lebe und Schwänze lutsche, also seit vor dem
Krieg. Früher zog sich die Klappe durch die ganze Stadt, und
genau so sollte dein Roman über uns beginnen. 'Die Gräfin
verließ das Haus um halb zehn' und ging in den Park, denn zehn
Uhr abends ist die beste Zeit für einen kleinen Schwengel."
mehr |
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Dohm: „Die
Antifeministen“ (Erschienen : 1902; Reprint: 1976; Digitale
Bibliothek: 2004): „Die Frauenfrage in der Gegenwart
ist eine akute geworden. Auf der einen Seite werden die Ansprüche
immer radikaler, auf der anderen die Abwehr immer energischer. Letzteres
ist erklärlich. Je dringender die Gefahr der Fraueninvasion in
das Reich der Männer sich gestaltet, je geharnischter treten
die Bedrohten entgegen.“ (S.3) Dohm war eine derjenigen, die
sich aus wissenschaftlicher Perspektive zur „Frauenfrage“
um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. äußerten. Sie
nahm vehement Stellung für die Sache der Frauen, die eigentlich
die Sache aller Menschen sein sollte. Dohm stellte heraus, dass Frauen
gerade durch den – gesellschaftlich erzwungenen – Nichtgebrauch
des Gehirns versimpeln würden... mehr |
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Schwule DDR - Doppelrezension:
Setz (2006): "Homosexualität in der DDR", und Lemke
(1989): "Ganz normal anders":
„In diese Wohnung bin ich Anfang der fünfziger Jahre gezogen.
Vor meinem Einzug ging der Abschnittsbevollmächtigte von Haushalt
zu Haushalt, da wo junge Männer lebten, und informierte: Erster
Hinterhof, Mitte, zwei Treppen, rechts, da zieht ab nächsten
Ersten so einer ein. Vorsicht. Eine bessere Reklame konnte der für
mich gar nicht machen. Es dauerte knapp zwei Wochen, da hörte
ich das erste schüchterne Klopfen an meiner Tür…“
(Lemke, S.30/31, Setz, S.16) mehr
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Per
Olov Enquist, "Gestürzter Engel", Roman:
„An den Abenden konnte man sie in ihrem
Bett sitzen sehen, der Deckel der Hutschachtel war abgenommen, aber
sein Kopf immernoch in der Schachtel, sie unterhielt sich leise und
aufrichtig mit ihm, doch manchmal erregte sie sich und überhäufte
ihn mit Vorwürfen und Beschimpfungen; es gab Gelegenheiten, da
fand sie sein Verhalten unentschuldbar und schlug den Deckel der Hutschachtel
zu und stopfte die Schachtel ganz oben in den Kleiderschrank und drohte
heftig fluchend damit, ihn nie mehr hervorzuholen.“ mehr |
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Waldschlösschen,
"Mittendrin – mehr als nur die Geschichte eines Tagungshauses"
(geschrieben von Ralf Buchterkirchen): Irgendwo bei Bremke,
nah dem Universitätsstädtchen Göttingen, idyllisch
im Wald gelegen, steht es, das ehemalige Ausflugslokal und die jetzige
Akademie Waldschlösschen. 1982 – vor nunmehr 25 Jahren
– wurde das Waldschlösschen als (lesbisch-)schwule Tagungsstätte
von ambitionierten Bewegungsschwestern gegründet – und
ist bis Heute die einzige dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland
geblieben. Seitdem bietet es mit großem Erfolg Bildungsseminare,
Workshops, eine starke inhaltliche und praktische Arbeit zum Thema
HIV und Aids und nicht zuletzt Lesben und Schwulen die Möglichkeit,
Gleichgesinnt zu treffen und dem diskriminierenden Alltag zumindest
einige Tage zu entkommen. mehr |
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Wilchins, "Gender
Theory- Eine Einführung" (geschrieben von Ralf Buchterkirchen):
Was haben Lesben- und Schwulenbewegung,
Transgenderbewegung und die feministische Bewegung gemeinsam? Wenn
mensch diese Frage hört, fallen erstmal Unterschiede und gegenseitige
gelebte Abgrenzungen und Vorurteile ein. Eines haben alle gemeinsam.
Ihnen widerfährt aufgrund der Abweichung von einer von außen
definierten Rolle Ausgrenzung der „Normalität“. Die
Normalität, das ist der weiße heterosexuelle männliche
Mainstream. Die entscheidende Gemeinsamkeit, die alle zum zusammenarbeiten
auffordert, ist der Gender-Aspekt. Schwule werden diskriminiert, weil
sie nicht in die Heterosexualität passen. So sehr sich sich auch
anzubiedern versuchen, stellen auch sie gar noch Geschlechterrollen
in Frage, nämlich wenn sie sich nicht so kleiden, bewegen, verhalten
wie die Gesellschaft das von Ihnen erwartet. Frauen werden allein
aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt und diskriminiert, Lesben
erleben doppelte Diskriminierung – auf Grund des Geschlechtes
und ihrer Sexualität. Transgender wiederum scheinen nicht so
richtig in eine der vorgefertigten Rollen zu passen. mehr |
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