Denk'
mal an den unbekannten Deserteur!

Während in Hannover zum
Volkstrauertag regelmäßig den mordenden Nazis aus der
Wehrmacht gedacht wird, werden die vergessen, die tatsächlich
Mut hatten: die Deserteure! Das zu ändern, daran arbeiten seit einigen Jahren einige Projekte und haben schon beachtenswertes erarbeitet,
vgl.: deserteure-hannover.de.
Aktuell ist hierzu auch das sehr gute Buch von Ralf Buchterkirchen erschienen: “… und wenn sie mich an die Wand stellen” – Desertion, Wehrkraftzersetzung und “Kriegsverrat” von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945. Es handelt von Deserteuren aus Hannover und solchen, die in Hannover hingerichtet wurden – und dem schwierigen Weg zu ihrer Rehabilitation, die erst in den letzten Jahren erfolgte. Dabei greift es sowohl neuere Erkenntnisse der kritischen Männlichkeitsforschung auf und zeigt gleichzeitig, wie vielfältig und individuell die Gründe zu desertieren waren. Nicht selten hing ein Deserteur einfach an seinem Leben, konnte das Töten nicht mehr sehen, wollte zu seinen Lieben. Die individuellen Gründe rückt Ralf Buchterkirchen in den Blick. (178 Seiten,
13,90 €, ISBN: 978-3-930726-16-5; ausführliche Informationen beim Verlag.)
Vom Gay Pride zum White Pride - Koray Yilmaz-Günay (Hrsg.): "Karriere eines konstruierten Gegensatzes: Zehn Jahre „Muslime versus Schwule": Sexualpolitiken seit dem 11. September"
(Rezensiert von Heinz-Jürgen Voß, zuerst auf: www.kritisch-lesen.de)
Wie in einem Brennglas erscheinen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 die seit dem Kolonialismus etablierten westlichen Imaginationen über „den Islam“ – Geschlecht und Sexualität waren und sind in diesen zentral. Und es blieb nicht bei Vorstellungen, sondern es wurden in westlichen Staaten demokratische Grundrechte abgebaut und Kriege begonnen – in weiten Teilen begründet mit Argumentationen über Geschlecht und Sexualität. zur Rezension
10 Jahre Eingetragene Lebenspartnerschaft – und kein Ende in Sicht. Verschlechterung der Bedingungen für binationale Partnerschaften
Am 1. August 2001 trat das Gesetz zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft in Kraft, dass für Lesben und Schwule in Paargemeinschaft die Möglichkeit eröffnete, ihren Status gegeneinander auch rechtlich abzusichern. Geklärt sind damit insbesondere Fragen, die das Krankenhausbesuchsrecht, das Zeugnisverweigerungsrecht und den Todesfall betreffen. Hier können garstige Verwandte, die die gleichgeschlechtliche Beziehung nicht schätzten und ggf. torpedierten, nicht mehr den Besuch der Partner_in im Krankenhaus verhindern oder gar, nach einem Todesfall, der Partner_in die Wohnung oder das Häuschen entziehen. Auch für binationale Partnerschaften haben sich mit der Eingetragenen Lebenspartnerschaft Möglichkeiten eröffnet: So kann nun eine Partner_in, die keine Staatsbürgerschaft der BRD oder eines EU-Landes hat, auf Grund der Eingetragenen Lebenspartnerschaft in der BRD ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten, dass nach mehreren Jahren auch eigenständig werden kann. Verbunden ist die binationale Regelung allerdings auch mit Missbrauchsfällen, wie sie aus Ehen hinlänglich bekannt sind, dass sich eine Partner_in mit Staatsangehörigkeit BRD einen Menschen „hält“, der billig und entrechtet den Haushalt besorgt, sexuell zu Diensten ist und ggf. sogar misshandelt wird. Der Partner bzw. die Partnerin ohne eigenständiges Aufenthaltsrecht wird so in die Position einer starken Abhängigkeit gebracht, die noch dadurch erschwert wird, dass nach einer Scheidung das Aufenthaltsrecht wegfällt, wenn nicht eine Sperrfrist vorbei ist. Wer möglicherweise in dem Herkunftsland mit einer Strafe bedroht ist, allein weil er oder sie eine gleichgeschlechtliche Verbindung einging, oder wer unabhängig davon seine Lebensperspektive in der BRD sieht, hat so keine Möglichkeit – bzw. kaum eine, es gibt wenige Hilfsangebote und Ausnahmeregelungen – einer/einem unterdrückenden oder gar gewalttätigen Partner/in zu entkommen. Mit Wirkung zum 1. Juli 2011 wurde der § 31 AufenthG (Eigenständiges Aufenthaltsrecht der Ehegatten) geändert und die Hürden hier weiter ausgebaut. Perfider Weise unter dem Titel „Gesetz zur Bekämpfung der Zwangsheirat und zum besseren Schutz der Opfer von Zwangsheirat…“ wurde die nötige Sperrfrist von zwei auf drei Jahre erhöht und wird dann zunächst nur ein eigenständiger Aufenthalt über ein Jahr erteilt. So werden selbst Menschen die in einer Ehe oder einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft Gewalt erleiden, durch die deutsche Regierung dazu gezwungen, länger in einer solchen Zwangsbeziehung zu leben. Entgegen dem Gesetzestitel fördert die Bundesregierung so Zwangsehen und Zwangsverhältnisse. weiter
„Pardon, wir hätten da mal was zu sagen!“ - Sineb El Masrar: "Muslim Girls - Wer wir sind, wie wir leben."
„Das Bekenntnis: ‚Ich heiße Fatma, bin Muslima und das ist auch gut so‘, klingt in den Ohren mancher eher wie ein bemitleidenswertes Statement denn wie ein hippes Großstadtpostulat, mit dem frau zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin aufsteigen kann. In der Regel wird nicht mit uns geredet, sondern gerne über uns. Wenn uns dann jemand nicht wieder in Frage, sondern eine Frage stellt, dann sind das Fragen meist dieser Art: Kannst du auch Islamisch sprechen? Würdest du deine Tochter auch beschneiden? Darfst du hier im Schwimmbad überhaupt schwimmen? Bist du schon jemandem versprochen? Wurde dein Mann von deiner Familie ausgesucht? Haben deine Eltern kein Problem damit, dass du hier im Ausland arbeitest? Oder ganz kreativ: Gehst du auch mit Kopftuch unter die Dusche? Ja, so macht es Spaß, in Deutschland zu leben. Wer braucht schon einen Glückskeks mit Sprüchen, wenn man stattdessen fortwährend Überraschungsfragen gestellt bekommt, die uns eigentlich auch schon nicht mehr überraschen können.“ (S.16) weiter
Karl Heinrich Ulrichs
„Der erste Schwule der Weltgeschichte“
[...] Ulrichs setzte sich dafür ein, dass Menschen ihr Leben selbst bestimmen können – und seine Veröffentlichungen bieten selbst für heutige Betrachtungen noch viel Potenzial, emanzipatorisch weiterzudenken, um jeden Menschen in seinen individuellen geschlechtlichen Anteilen wahrzunehmen. In diesem Sinne ist es an der Zeit, dass neben Hannover (Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße, 30161 Hannover) nun auch in der für Ulrichs Ausbildung und Wirken so bedeutsamen Stadt Berlin angemessen an diese bemerkenswerte Persönlichkeit erinnert wird. Ulrichs gehört zu dem durch Vielfalt geprägten Berlin-Schöneberg, gerade weil er sich – sozusagen „von der ersten Stunde“ an – gegen die Diskriminierung von Homosexuellen gewandt hat, aber auch nicht leichtfertig auf Rassismus und Antisemitismus hereinfiel. Gleiche Würde, gleiche Rechte, Miteinander leben, sich gegenseitig akzeptieren und respektieren – hierfür war Ulrichs ein Beispiel und ist er ein Vorbild für das heutige Zusammenleben. zum Artikel
Homohochzeit in Kriegszeiten:
Buch von Judith Butler zur Antikriegspolitik
(von Eugen Januschke, aus "Zivilcourage - Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus der DFG-VK", www.zc-online.de)
Noch haben wir einen öffentlich bekennenden Schwulen als Außenminister. Und der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe heiratete am 16. April Freo Majer, der mit seinem Verein „Frontkultur“ Theater für deutsche Soldaten in Afghanistan macht.
Die Zeiten, da man annehmen konnte, dass Schwule der Bundeswehr zumindest mit Vorbehalten gegenüber stehen, scheint vorbei. Nicht nur viele Schwule sehen Staat und Bundeswehr als Verteidiger ihrer „Minderheitenrechte“. Judith Butler ordnet dies ein in „... Versuche, Schwule für den Aufbau nationalistischer und fremdenfeindlicher Kulturen zu rekrutieren ...“, so in ihrem nun publizierten Vortrag „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik.“ weiter |
Kapitalismuskritische Perspektiven im Anschluss an Volkmar Sigusch
(von Heinz-Jürgen Voß, zuerst bei www.kritisch-lesen.de)
Volkmar Siguschs 1984 erschienenes Buch „Die Mystifikation des Sexuellen“ bietet gute Anknüpfungspunkte, um die Eingebundenheit der Kategorien „Geschlecht“ und „Sexualität“ in die kapitalistische Produktionsweise verstehen und Ableitungen für emanzipatorisches Streiten treffen zu können. Zusammen mit weiteren – auch neueren – Arbeiten Siguschs ergeben sich Anschlussmöglichkeiten für die kapitalismuskritische und antikapitalistische Fortentwicklung feministischer und queer-feministischer Ansätze. zum Beitrag
Queer & Kapitalismuskritik
Zur unbedingt notwendigen Verbindung von Queer & Kapitalismuskritik ist eine breitere Debatte in Gang gekommen, die es lohnt, zu verfolgen und fortzusetzen. Hier finden sich einige Beiträge sowie sich anschließende Diskussionen verlinkt:
1) Dieser Beitrag löste die Debatten aus: "Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten - Queerende Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation" (Kathrin Ganz, Do. Gerbig)
2) Es erschien darauf hin diese Kritik: "Queerfeministische Ökonomiekritik? Eine
Randnotiz zum Ende des Kapitalismus" (Salih Alexander Wolter)
3) Hier auf www.schwule-seite.de - in Kooperation mit www.leipziger-kritiken.de und www.verqueert.de - wurde diese Kritik noch einmal unterlegt: "Weg mit dem Queer-Ding! Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik" (Heinz-Jürgen Voß)
4) In einem Vortrag finden sich die Kritiken nun ausgebaut. Er kann bei audioarchiv.blogsport.de nachgehört werden: "Queer & Kapitalismuskritik" bzw. "Geschlecht und kapitalistische Produktionsweise".
Ein an den Vortrag anknüpfender schriftlicher Beitrag findet sich hier.
Das Buch "Geschlecht: Wider die Natürlichkeit" nimmt solche Betrachtungen als Ausgangspunkt. Es wird erarbeitet, warum Menschen stets schon gesellschaftlich sind und warum wir dennoch gern soviel als "natürlich" - vorgegeben und unabänderlich - erklären. Hierzu ebenfalls zu empfehlen ist der von Heike Friauf herausgegebene Band "Eros und Politik", dort u.a. der Beitrag von Leo Kofler "Eros, Ästhetik, Politik - Thesen zum Menschenbild bei Marx".
Menschen leben lieber bunt als soldatisch: "Viele Freiwillige kündigen ihren Dienst schon nach wenigen Tagen" (HAZ, 21.7.2011)
Nachdem die Bundeswehr in den vergangenen Wochen ihre Werbebemühungen verstärkt hatte und mit bunten Plakaten, Techniktrucks und lächelnden Gesichtern versucht hatte junge Leute für das Militär zu gewinnen, schlagen diese Bemühungen fehl. Selbst diejenigen, die sich anfänglich vorstellen konnten, 'im Ernstfall' Menschen zu töten bzw. dabei behilflich zu sein, kehren der Bundeswehr in Scharen den Rücken. So haben bei der 1. Panzerdivision in Hannover, die insbesondere in Afghanistan aktiv ist, bereits innerhalb der erste drei Wochen nach Dienstantritt 14 Prozent der Rekruten und Rekrutinnen gekündigt. Dies berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) auf der Titelseite ihrer aktuellen Ausgabe vom 21. Juli 2011. Die HAZ problematisiert: "Viele Freiwillige kündigen ihren Dienst schon nach wenigen Tagen" - und weiter: "Viele junge Männer und Frauen, die sich zum freiwilligen Dienst in der Armee entschlossen haben, nutzen ihre sechsmonatige Probezeit und kehren der Truppe Knall auf Fall den Rücken." Es gab "auffällig häufig Kündigungen aus persönlichen Gründen: Rekruten fühlten sich überfordert und mochten sich nicht an das Leben in der Kaserne und die soldatische Ordnung gewöhnen. Andere erhielten doch noch einen Studienplatz oder eine Zusage für eine Ausbildung in einem zivilen Beruf."
Die bunten Werbeschilder trügen - und täuschen über antidemokratische Gehorsamspflicht und Disziplinierung hinweg, die individuelle Entscheidungen und Lebensplanungen verhindern. Aber Vorsicht ist geboten: Wer die ersten sechs Monate für den Ausstieg verpasst und sich als Zeitsoldat/in auf Dauer verpflichtet hatte, hat es schwer auszusteigen! Daher rechtzeitig entscheiden - und wer den Termin verpasst, Rat suchen, u.a. bei der Zentralstelle KDV.
Aktuell: Parlamentsnotizen IV
Was passiert lesbisch, schwul und queer in der Republik? Ralf Buchterkirchen hat in der Zeitschrift "Rosige Zeiten" aus Oldenburg eine Serie gestartet, in der er regelmäßig über neue Entwicklungen (Gesetzesvorhaben etc.) in Landes- und Bundespolitik in der Bundesrepublik Deutschland berichtet:
Parlamentsnotizen I
Parlamentsnotizen II
Parlamentsnotizen III
Neu: Parlamentsnotizen IV
...egal
ob Hetero, Bi oder Homo: Safer-Sex!

Wenn der Prinz den Prinzen küsst: Kinderbücher zu Regenbogenfamilien
(rezensiert von Heinz-Jürgen Voß, zuerst in "Rosige Zeiten")
Immer küsst der Prinz die Prinzessin. Wie soll so Akzeptanz zu unterschiedlichen Lebensweisen von Menschen, zu Regenbogeneltern und Regenbogenkindern aufkommen? Es fehlen alternative kulturelle Codes, in denen Kinder schon ganz früh ganz vielfältige Möglichkeiten haben, sich selbst zu sehen – und nebenbei auch damit vertraut werden, dass es eben auch Lesben und Schwule gibt und dass einige Kinder – vielleicht sie selbst – lesbische Eltern haben oder schwule …oder aber irgendwie ganz anders leben und in ihrer Familie glücklich sind. Ganz fehlen diese Codes indes mittlerweile nicht mehr, weil aktuell Kinderbücher erscheinen, in denen der Prinz eben auch den Prinzen küsst, ein Junge auch mit Puppen spielt und „Irgendwie Anders“ keinen einzigen Freund hat, bis „eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein…“ Im Folgenden werden einige der Bücher vorgestellt, die sich übrigens auch für große Kinder eignen, die einfach mal wieder eine schöne Geschichte lesen wollen, in der sie sich vielleicht auch irgendwo selbst sehen :-) weiter

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gaaaanz
wichtige - und bei jedem Aufruf neue - Bemerkung zur Weltlage ;)
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